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Kämpfen, weiterkämpfen, verlieren

Um 9 Uhr nehmen wir unseren Termin in der Tierklinik wahr. Magnis Pfote sieht den Umständen entsprechend sehr gut aus und bisher scheint die Entscheidung gegen eine Antibiose richtig gewesen zu sein, denn es gibt keinerlei Hinweise auf eine Infektion. Um dem Gewebe die Chance zu geben sich zu erholen haben wir schon gestern auf Lotagen verzichtet und ich möchte mit der Tierärztin besprechen, ob das so ok ist. Außerdem "erhoffe" ich mir, einen auf den Deckel zu kriegen. Die klare Ansage, dass es jetzt schlecht um die Pfote steht und mir das hätte nicht passieren dürfen, einfach nur, damit es endlich mal jemand ausspricht.

Stattdessen treffe ich wieder auf Verständnis. Die Tierärztin hat bereits von unserem Besuch am Wochenende gehört und hatte bei der Beschreibung "Wunde wieder aufgerissen" deutlisch Schlimmeres erwartet als sie zu sehen bekommt. Hinzu gesellt sich ein Tierarzt, der die Pfote länger nicht gesehen hat und sagt "Sieht ja echt super aus." 

Meine Selbstbeschuldigungen werden damit "abgetan", dass es einfach nicht so leicht ist wochenlang auf 200% einen Hund zu beaufsichtigen. Schon gar nicht wenn man nebenher zu arbeiten und andere Tiere zu versorgen hat.

Niemand ist "bereit" mich in meinem Selbsthass zu unterstützen.

Dafür, dass die Verletzung der Pfote wirklich nicht so schlimm ist bin ich momentan noch taub und blind. Eigentlich ist es unendlich schräg wie unverstanden man sich fühlen kann, wenn alle um einen herum bereit sind einen Fehler "abzutun", den man sich selbst nicht verzeihen kann.

Ich kann nichtmal mehr doll störende Fetzen von absterbendem Gewebe "vorweisen", das Meiste was absterben "wollte" ist bereits verschwunden. Selbst die Wundhöhle ist dank der Calciumalginat-Auflagen nichtmehr zu furcherregend wie ich das eigentlich vorbringen wollte.

Denni und ich entschließen uns den Abrissbereich weiterhin mit Ca-Alginat.Auflagen zu unterstützen und so sucht er eine Apotheke in der Nähe seiner Arbeitsstelle auf. Dort wird ihm ein ähnliches Produkt eines anderen Herstellers empfohlen, das deutlich günstiger ist als die von uns verwendeten Auflagen. Beim Prüfen deren Eignung stellt sich aber herraus, dass sie Hydrokolloidpartikel enthalten, die für den freiliegenden Knochen nicht geeignet sind. Da die Auflagen noch bis morgen abend reichen sprechen wir ab, dass ich in Ruhe schau was sich eignet.

Laßt Euch auf den Fotos nicht von dem komischen Muster irritieren. In der Klinik werden Gittergazeauflagen für Magnis Pfote benutzt deren Muster sich auf das frische Gewebe überträgt.



Direkt nach dem ich wieder daheim war hab ich Magni kurz (mit ordentlichem Verband) in den Garten geschickt um Uli nocheinmal zu füttern. Sie hat sich bei der Fütterung etwas mehr gewehrt als heute morgen, aber dann stündlich immer mehr abgebaut. Um kurz nach 18 Uhr hat sie den Kampf verloren. Bis zuletzt hatte sie den Augenausdruck eines Tieres das Leben will.
Ich werd Dich vermissen mein Mädchen.